Der Agent Name Service (ANS) ist ein geplanter offener Standard für die Identität von KI-Agenten, wobei die LEI zu den unterstützten Identifikatoren gehört.KI-Agenten agieren bereits im Namen von Unternehmen

KI-Agenten sind kein Experiment mehr. Sie suchen nach Informationen, vergleichen Angebote, füllen Formulare aus und interagieren im Namen von Unternehmen mit anderen Systemen. Laut Daten des WEF (World Economic Forum, eine internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) planen 82 % der Führungskräfte, innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre KI-Agenten einzuführen.

Infolgedessen stellt sich eine Frage, die das Internet noch nie in diesem Ausmaß beantworten musste. Wenn ein KI-Agent eine Handlung vornimmt, ist der Agent selbst für nichts haftbar. Die dahinterstehende Rechtseinheit hingegen schon. Aber wie kann man überprüfen, um welche Rechtseinheit es sich handelt? Das heutige Internet verfügt über keinen gemeinsamen Standard dafür.

Was ist der Agent Name Service?

Im Juni 2026 gab die Linux Foundation ihre Absicht bekannt, den ANS (Agent Name Service, ein offener Standard zur Überprüfung der Identität von KI-Agenten) einzuführen. Laut der Pressemitteilung der Linux Foundation ist es das Ziel, eine vertrauenswürdige Ebene für die Identifizierung, Verifizierung und Entdeckung von KI-Agenten im gesamten Internet zu schaffen.

ANS baut keine neue Infrastruktur von Grund auf neu auf. Stattdessen stützt er sich auf das DNS (Domain Name System, das Benennungssystem des Internets, das Domainnamen in Adressen übersetzt), das seit über vierzig Jahren als Grundlage des Internets dient. In der Praxis verankert dies die Identität des Agenten in Domainnamen, die Organisationen bereits besitzen. Es gibt kein zentrales Register und kein System, das von einem einzelnen Unternehmen kontrolliert wird.

Das ANS-Framework macht drei Dinge überprüfbar. Erstens, wen der Agent vertritt. Zweitens, welche Berechtigungen er hat. Und drittens, ob sein Code und sein Betriebsverlauf authentisch und unverändert sind.

Ein wichtiger Hinweis zur Klarstellung: ANS ist derzeit eine Absichtserklärung, kein Live-Dienst. Die Community entwickelt den Standard offen und veröffentlicht die technischen Repositories auf GitHub. Unter anderem unterstützen Cloudflare, Cisco, Salesforce, GoDaddy und Infoblox die Initiative.

Wo ordnet sich die LEI ein?

ANS ist so konzipiert, dass es mit bestehenden Identitätssystemen zusammenarbeitet. In der Pressemitteilung werden zwei davon genannt: die DID (Decentralized Identifier, ein dezentraler digitaler Identifikator) und die LEI (Legal Entity Identifier, der globale Identifikationscode für Rechtseinheiten).

Dieses Detail ist wichtig. Die technische Identität beantwortet die Frage, um welchen Agenten es sich handelt. Die rechtliche Identität wiederum beantwortet die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Dies sind zwei verschiedene Ebenen, und das „Agentic Web“ benötigt beide.

Die LEI leistet bereits heute die Arbeit der Identifizierung von Rechtseinheiten. Sie ist der einzige globale Standard, der alle Rechtseinheiten unabhängig von Land oder Rechtsform abdeckt. Der LEI-Code gibt Auskunft darüber, wer wer ist und wer wen besitzt, und jeder kann die Daten im GLEIF-Register einsehen. Wenn ein KI-Agent also in seiner Identität auf eine LEI verweist, kann jede Partei prüfen, welches Unternehmen hinter dem Agenten steht.

Über den breiteren Zusammenhang zwischen der LEI und künstlicher Intelligenz haben wir bereits in unserem früheren Artikel LEI-Code und KI geschrieben. ANS ist der nächste konkrete Schritt in dieser Entwicklung: Zum ersten Mal schließt ein Internet-Infrastrukturstandard die LEI direkt ein, nicht nur die Finanzregulierung.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Vorerst nichts Verpflichtendes. ANS befindet sich in der Planungsphase und schafft keine neuen Verpflichtungen für Unternehmen. Zudem ist die LEI nicht der einzige oder ein obligatorischer Identifikator in ANS. Sie ist eine der unterstützten Ebenen.

Dennoch ist die Richtung klar. Die verifizierte Identität von Organisationen bewegt sich über die Finanzregulierung hinaus in die Grundlagen des Internets selbst. Dasselbe Muster wiederholt sich an anderer Stelle: So wächst beispielsweise die Rolle der LEI in Zahlungsstandards, bei der Unternehmensverifizierung und bei Initiativen zur digitalen Identität in Europa und darüber hinaus.

Für ein Unternehmen, das bereit sein möchte, ist der erste Schritt einfach: ein gültiger LEI-Code. Wenn Sie noch keinen haben, können Sie in wenigen Minuten eine LEI registrieren. Wenn Sie bereits eine haben, stellen Sie sicher, dass sie verlängert wurde, da sich kein System auf abgelaufene LEI-Daten verlassen kann.

Wie geht es weiter?

Die Entwicklung von ANS steht erst am Anfang. Die technischen Inhalte des Standards, sein Zeitplan und seine Akzeptanz werden in den kommenden Monaten und Jahren deutlich werden. In der Zwischenzeit steht die Teilnahme Unternehmen, Entwicklern und Infrastrukturanbietern offen.

Wir verfolgen die Entwicklungen sowohl bei der Linux Foundation als auch bei der GLEIF und werden über die wichtigsten anstehenden Schritte berichten. Denn die Frage, welche Rechtseinheit hinter einem KI-Agenten steht, wird nicht verschwinden. Und die Antwort beginnt mit einem gültigen LEI-Code.